Nordengland 3 – York 1

Wir haben dann bei wunderbarem Wetter zwei volle Tage in York verbracht.

Als erstes waren wir im York Cold War Bunker. Es war etwas schwierig zu finden, weil es dafür keine braunen Hinweisschilder gab (die darf man in England erst ab einer gewissen Mindestanzahl von Besuchern aufstellen), aber unser Navi hat es gerichtet.

Der Bunker ist das jüngste Objekt von English Heritage, welches man nur bei einer Führung besichtigen kann. Wir hatten Glück: Wir kamen kurz vor dem Beginn einer Führung an, die Gruppe war nur 7 Leute groß und der Führer hat uns witzig und kenntnisreich durch den Bunker geführt und dabei immer darauf geachtet, langsam zu sprechen und Fachbegriffe gut zu erklären, damit die immerhin 5 Deutschen in der Gruppe auch alles gut verstehen konnten. 

Der Bunker war von 1961 bis 1991 aktiv und war auf eine Besatzung von 60 Leuten ausgerichtet, die im Falle eines atomaren Angriffs dort im Dreischichtbetrieb arbeiten sollten. Die Aufgabe war Beobachtung und Informationsbündelung und -weitergabe. Mit Triangulationsverfahren konnten sie feststellen, wo genau die Atombombe eingeschlagen ist. Dieser Bunker und die überall verteilten kleineren Bunker konnten jeweils messen, aus welcher Richtung die Strahlung konnte. Wenn man das auf einer Karte jeweils als Richtungsstrahl für drei Bunker einzeichnet, dann treffen sich die Linien an der Stelle, wo die Bombe aufgekommen ist. 

Der Bunker in York hatte – wenn ich mich recht erinnere – 300 ausgebildete Freiwillige. Im Ernstfall sollten aber nur die 60 Leute hinein gelassen werden, die zuerst dort ankamen. Diese 60 Leute sollten im Dreischichtbetrieb 30 Tage dort arbeiten – jeweils 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Freizeit und 8 Stunden schlafen. Es gab auch nur 20 Betten, die dann abwechsend genutzt werden sollten. Das Wasser war streng rationalisiert und man durfte sich nicht waschen. Wer krank wurde, mußte den Bunker unmittelbar verlassen. – Für die Leute wäre das alles eine unvorstellbare Belastung: Sie hatten keinen Kontakt zu ihren Familien, wußten nichts über deren Verbleib, durften auch keine Bilder ihrer Lieben dabei haben und waren dann in dieser extrem beengten Umgebung, immer mit dem Wissen, nach 30 Tagen wieder aus dem Bunker heraus zu müssen und dann evtl eine völlig zerstörte und verstrahlte Umgebung vorzufinden. – Alles eine krasse Vorstellung. Ein Glück, dass der Bunker nie genutzt werden musste!

Ich war vorher nicht wirklich davon überzeugt, mir diesen Bunker anzusehen. Es war dann aber doch überraschend interessant. 

Ich habe drinnen keine Fotos gemacht, obwohl man fotografieren durfte. Irgendwie erschien mir nichts besonders schön / fotografierenswert. Dafür waren die ganzen Informationen von der Führung um so interessanter.

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