Nordengland 7 – Durham

Der nächste Tag war Sonntag. Wir hatten etwas recherchiert und in der unmittelbaren Umgebung unserer Unterkunft keinen Gottesdienst gefunden. Nein, wir haben nicht auf eine katholische Messe bestanden, eine anglikanische Messe war für uns auch OK. Das kleine Kirchlein ganz nah bei unserer Unterkunft hatte ihre Messe aber maximal einmal im Monat – natürlich nicht an diesem Sonntag. Wir hätten mit dem Auto ca. 20 Minuten nach Westen fahren können, um dort in einem anderen Dorf zur Messe zu gehen. Aber da wir eh Durham ansehen wollten, entschieden wird, dort auch gleich zur Messe in der Kathedrale zu gehen.

Wir haben also etwas früher gefrühstückt als normal und sind dann nach Durham aufgebrochen: 18 Miles bzw. 29 km, also etwas über eine halbe Stunde mit dem Auto. Mein Mann hat meinen Vater und mich an der Cathedral abgesetzt und ist dann das Auto parken gefahren.

Die Messe war typisch anglikanisch: Ein riesig pompöser und sehr formeller Einmarsch und ansonsten alles sehr nah an einer katholischen Messe, so vom ganzen Drumherum. Es hat nicht der normale Chor gesungen, weil Schulferien waren. Stattdessen haben die Stamford Singers die Messe gestaltet.

Die Cathedral ist ein wunderschönes Bauwerk. Ich war mit meinen Eltern vor vielen Jahren schon einmal dort und schwärmte immer noch von der Cathedral, besonders von den außergewöhnlichen Säulen.

Nach der Messe haben wir die Cathedral noch besichtigt. (Inzwischen war auch mein Mann eingetrudelt.) Eine Eintrittsgebühr wird dort übrigens nicht verlangt. Aber fotografieren ist verboten! Das war ein ziemlicher Schock für mich. Ich hatte mich so darauf gefreut, in dieser wunderbaren Kirche zu fotografieren! Aber es half ja nichts. Und die haben wirklich gut aufgepasst… (Ich hatte das Schild mit dem Fotografierverbot beim Reingehen für die Messe nicht gesehen und deshalb habe ich Innen genau noch ein Bild machen können, bevor ich freundlich aber sehr bestimmt auf das Verbot hingewiesen wurde.)

Immerhin habe ich die Säulen ganz getroffen, auch wenn mir eine Sorte der dicken dekorierten Rundsäulen leider auf dem Bild fehlt.

Also der Rest hier nur von außen, aus dem Kreuzgang heraus:

Die Kathedrale liegt zusammen mit der Altstadt von Durham auf einer hoch aufragenden Halbinsel in einer Schleife des Flusses Wear. Sie ist eins der schönsten Beispiele für Romanische Architektur in England. Der Grundstein wurde in 1093 gelegt und der Bau der ersten Bauphase zog sich bis 1130 oder 1133 hin. Sie war auch ein Benediktiner-Kloster; allerdings hatten von hier auch die „Prince Bishops“ die Diozese von Durham von 1080 bis 1836 regiert – sie hatten auch weltliche Macht und ihr Gebiet sollte als Pufferzone zwischen England und Schottland dienen.

Das Innere ist durch den Wechsel der Säulen charakterisiert: Dicke profilierte Pfeiler wecheln sich mit kräftigen Rundsäulen ab. Die Rundsäulen sind plastisch gemustert anstelle der sonst üblichen Bemalung.

Es gibt außerdem ein Kapitelhaus (erbaut 1140), einen Kreuzgang (erbaut 1388 – mit Shop und Tea Room) und die Galiäia-Kapelle (erbaut 1175–1189 – mit dem Grab des Beda Venerabilis).

Hinter dem Hauptaltar ist der Heilige Cuthbert von Lindisfarne bestattet. 995 hatten Mönche auf der Flucht vor Wikingerüberfällen die Reliquien nach Durham überführt. Ursprüngliche gab es ein prunkvolles Monument aus Gold und grünem Marmor, aber es wurde 1538 in der Reformation zerstört. Heute liegt dort nur noch ein einfache Marmorplatte.

Wir sind danach noch ein wenig in der Altstadt herumgelaufen. Es war sehr viel los, weil die Engländer ein langes Wochenende hatten durch den Monday Bank Holiday am folgenden Tag. Auf dem Platz vor der Kathedrale war ein großer Menschenauflauf, weil versucht wurde, einen Heißluftballon zu starten. Nach längerem Probieren wurde dies aber aufgegeben, vermutlich wegen zu viel Wind.

Mein Vater und ich haben dann noch nach der Brücke gesucht, über die wir damals immer von unserer Unterkunft in die Stadt liefen. Wir konnten das dann überraschend schnell rekonstruiert. Und wir fanden tatsächlich die für unseren Begriff hässliche Betonbrücke aus den Sechzigern, an die wir uns noch erinnern konnten. Und an der Brücke gab es noch eine Plakette, dass sie sogar mal einen Architekturpreis gewonnen hat. Außerdem steht sie unter Denkmalschutz! – Unglaublich! Hier gibt es mehr Informationen zu der Brücke, leider nur auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Kingsgate_Bridge

Wir sind dann eine Weile unten am Fluß entlang gelaufen. Es war kaum zu glauben, wie ruhig es da unten war, obwohl wir wirklich nicht weit von der Altstadt entfernt waren.

Wir haben dann in dem Tea Room von der Kathedrale noch eine Kleinigkeit gegessen und sind noch zum Evensong gegangen – wieder mit den Stamford Singers. Danach fuhren wir wieder zurück zu unserer Unterkunft.

Abends wollte ich noch ein „paar“ Schritte zusätzlich sammeln. (Wegen eines Firmenwettbewerbs war meine Motivation für eine hohe Schrittanzahl sehr hoch bei mir.) Während mein Mann sich ums Abendessen kümmerte, wollte ich noch eine kurze Runde von max 35 Minuten drehen. Mein Mann hatte an dem winzigen Bahnhof im Ort ein Hinweisschild zu einem Rundweg gesehen, also lief ich dort hin und machte erst einmal ein Foto von dem Verlauf.

Ich hatte zwar keine Wanderkarte wie auf dem Schild empfohlen wurde, aber ich dachte trotzdem, dass der Weg ja nur mehr oder weniger parallel zum Fluß führt und damit kein Problem sein dürfte. Und zeitlich hoffte ich, den Weg in der vorhandenen Zeit gerade so zu schaffen.

Ich überquerte als die Brücke und lief noch an ein paar Häusern vorbei, bevor der Weg bei einem Bauernhof nach links abging. Anfangs war es noch ein befestigter Weg mit einigen Gattern, die ich öffenen und schließen mußte.

Aber es wurde immer einsamer… Und der Weg führte immer höher und immer weiter weg vom Fluß. Dann war es nur noch ein Trampelpfad, ich sah ein paar Schafe…

…aber auch die ließ ich hinter mir, als der Pfad sich durch ein Gebiet mit Büschen und dann durch ein kleines Waldgebiet schlängelte.

Eigentlich ein wunderschöner Weg. Aber doch überraschend einsam und fern der Zivilisation. Irgendwie war mir inzwischen etwas mulmig zu Mute. Allein in der Wildnis… mit eher zweifelhaftem Handyempfang und keiner wußte so genau, wo ich eigentlich war. Aber ich bin weitergeeilt, weil ich ja die Zeit einhalten wollte – immer Ausschau haltend nach der kleinen Brücke, die mich wieder über den Fluß in den Ort zurückführen sollte. – Welch eine Erleichterung als die Brücke endlich in Sicht war!

Beim Näherkommen sah ich dann an der Brücke ein Schild „Footpath closed“; aber ich dachte, so schlimm wird es schon nicht sein, irgendwie wird man sich da durchschummeln können. Aber dann folgte beim Näherkommen die Ernüchterung: von der Brücke fehlte einfach die eine Hälfte auf der Seite vom Ort. – Oh nein…

Den Schreck mußte ich erstmal verdauen… Aber welche Optionen hatte ich schon? An dieser Stelle konnte ich den Fluß ganz sicher nicht überqueren. Andere Brücken gab es auch nicht, nur die, die ich am Anfang meines Rundwegs benutzt hatte. Also habe ich meinen Mann angerufen, überraschenderweise sogar erreicht und konnte ihm trotz einer sehr wackligen Verbindung klarmachen, dass es bei mir länger dauert. – Dann habe ich dann den Rückweg in Angriff genommen. Immerhin kannte ich den Weg nun schon und mußte nicht mehr fürchten, mich zu verlaufen. Aber sehr beeilt habe ich mich trotzdem.

Der kleine Spaziergang hat dann letztendlich 52 Minuten gedauert, aber meine Lieben haben zum Glück mit dem Essen auf mich gewartet. An dem Tag kam ich insgesamt auf 18.725 Schritte.

Advertisements

2 Gedanken zu „Nordengland 7 – Durham

  1. die Kathedrahle ist Wunderschoen. Es gibt ziemlich viele Plaetze, die man soooo gerne fotografieren moechte und die verboten sind. Schade eigentlich.
    Bist du schon mal mit einem Heissluftballon geflogen? fuer mich waere das nix wegen meiner Hoehenangst. Aber mein Mann hat so einen Ausflug in Thailand gemacht, als wir zum Sabbatical damals fuer 4 Monate dort waren. Das war sein erster Flug
    So einen einsamen Auisflug, den haette ich nicht gemacht und wirklich schade, dass nirgendswo angeschrieben war, dass die Bruecke zu ist. Den ganzen Weg zurueck, auch wenn du ihn inzwischen kennengelernt hast, das ist nicht einfach so allein.

    Gefällt mir

    1. Nein, ich habe keine Erfahrung mit Heißluftballons. Da ich so sich etwas Höhenangst habe, bin ich mir auch nicht sicher, ob ich es ausprobieren würde.
      Wenn ich das mit dem Spazierweg vorher gewusst hätte, dass der so eine einsame Strecke hat, dann hätte ich es auch gelassen. Aber wenn man schon eine gewisse Strecke gelaufen ist und es einem nur so nach und nach klar wird, dass man ein Problem bekommt, dann will man es lange nicht wahrhaben.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s